Flottenmanager werden zu Mobilitätsberatern

«Die Herausforderungen für fahrzeug-Flottenbesitzer sind vielfältiger denn je», sagt Patrick Bünzli, Präsident des Schweizer Mobilitätsverbandes sffv. Themen wie die Etablierung neuer Antriebssysteme für Fuhrparks, der Umgang mit Umweltemissionen, Technologietrends, Gesetze und Vorschriften, kosten, Weiterbildung von fahrzeugflotten-verantwortlichen oder optimierung in der mobilität werden immer komplexer. Und die branche befindet sich in einer Umbruchphase.

Der Trend geht zur «Mobilitätsberatung 4.0» – darin sind sich alle Flotten- sowie Grosskundenbetreuer und -betreuerinnen einig. Ein optimal zusammen gestellter Fuhrpark für KMU oder Grossunternehmen werde – so sagen Fachleute auf diesem Gebiet – nicht nur nach ökonomischen, effizienzorientierten und logistischen Bedürfnissen zusammengestellt. Es fallen noch einige weitere Parameter an, die zu berücksichtigen seien. Fachwissen, Kenntnisse der Bedürfnisse der Kundschaft und natürlich auch ein ausgeprägtes gegenseitiges Vertrauensverhältnis sind die Basis für das «Projekt Fuhrpark». Und deshalb verstehen sich viele aus der Branche, die sich mit Flottenmanagement auseinander setzen, als Mobilitätsberater und -beraterinnen.

Bei der Effizienzbeurteilung einer bestehenden oder künftigen Fahrzeugflotte sind Interaktion, viel Netzwerkarbeit und vor allen Dingen das Erkennen der Bedürfnislage der Kundschaft ebenso wichtig wie die klassischen Themen. Diese wären: das Eruieren des Einsatzgebietes, die Analysen bezüglich Branchenspezifika, die Budgets und die Grösse der Auftrag gebenden Unternehmen. Folgende Fragen werden ausserdem gestellt: soll die Energieeffizienz massgebend sein oder müssen die Fahrzeuge zu einem bestimmten Image passen? Gelten Mitarbeiterzufriedenheit oder eher Zweckmässigkeit als oberste Prämisse? Sollen wirtschaftliche Aspekte wie die Kilometereffizienz besonders im Vordergrund stehen oder muss allenfalls das Image der Firma oder ein Branding unterstützt werden? Planungssicherheit ist und bleibt derweil einer der wichtigsten Aspekte: da geht es um Konditionen auf die Fuhrparkgrösse, um geplante mittelfristige Abnahmemengen, um langfristig kalkulierbare Fuhrparkkosten und um individuell auf die Anforderungen eingestellte Lösungen. Da ein funktionierender Fuhrpark elementar für ein erfolgreiches Tagesgeschäft ist, werden bei der Fuhrparkverwaltung auch die Arbeitsaufwände optimiert und stabilisierte Prozesse erzeugt.

Diese Aufgaben bei der Zusammenstellung eines Fuhrparks beziehungsweise einer Flotte geht einher mit einem sich vielleicht bald etablierenden Flottenmanagement-Paradigmenwechsel in der Branche: hatte der «Dieselskandal» eine Signalwirkung auf die Denkweise der Flottenmanager? Werden Flottenbesitzer allenfalls eine ganze Dieselflotte durch Hybridfahrzeuge ersetzen? Ein Wechsel der Flotten-Strategie ist jedoch immer mit finanziellen Ressourcen behaftet. Gleichzeitig ist der Trend zum E-Mobility Flottenmanagement etwas abgeflacht. Die nötige Infrastruktur ist noch nicht so ausgebaut, damit gewisse Abläufe gewährleistet sind.

Dazu kommt, dass das unternehmerische Handeln von kleinen und mittelständischen Firmen oft von den Faktoren Kostenreduktion und Freisetzung von gebundenem Kapital bestimmt wird. Ein eigener Fuhrpark kann die Einschränkung von Handlungsfreiheit bedeuten. So gilt die Regel: Ein eigener Fuhrpark lohnt sich erst ab einer Auslastung von rund 75 bis 80 Prozent. Ist dies nicht gewährleistet, wird als Alternative oft die Nutzung von Mietfahrzeugen oder Carsharing-Systemen gewählt. Doch welche Trends werden sich konkret im Flottenmanagement durchsetzen?

TREND: NACHHALTIGKEIT
Mit dem Einsatz einer professionellen Fuhrparkmanagement-Lösung schafft man nicht nur bezüglich der Wahl der Antriebssysteme Nachhaltigkeit, sondern man kann auch bei der Disposition von Fahrern und Fahrzeugen effizienter werden, die Auslastung erhöhen und Leerfahrten vermeiden. Zunehmend gefragt sind künftig auch Technologien, die das Fahrverhalten aufzeichnen und der Fahrerin oder dem Fahrer in Echtzeit Feedback zum Fahrstil, Spritverbrauch und CO²-Ausstoss geben.

TREND: GESUNDHEIT UND SICHERHEIT
Das Thema Fahrergesundheit spielt eine zentrale Rolle. Gefragt sind heute technische Lösungen, mit welchen Fahrer und Fahrerinnen für Gefahren im Strassenverkehr gewappnet sind. Aktuelle Informationen, die im Fahrzeug angezeigt werden, tragen dazu bei, dass Verkehrsbehinderungen rechtzeitig erkannt und Unfälle vermieden werden.

TREND: VERNETZUNG UND MOBILE ANWENDUNGEN
Vernetzte Systeme sind aus der heutigen Logistik und bei Flottenfahrzeugen nicht mehr wegzudenken. Daten werden an das installierte Fahrzeugortungsgerät übertragen und automatisch an die Zentrale weitergeleitet, die entsprechend disponieren kann. Auch in die Warenwirtschaft lassen sich moderne Fuhrparkmanagement-Lösungen integrieren. Das sorgt für die reibungslose Erfassung und Disposition der eingehenden Aufträge. Ebenso im Aussendienst ist der mobile Zugriff auf Daten sinnvoll.

TREND: LÖSUNGEN FÜR KLEINERE FUHRPARKS Klassisches Carsharing als stationäres Carsharing ist im Trend. Der Vorteil dieser Variante sind die geringen Kosten pro Stunde. Zusätzlich fällt in der Regel eine Kilometerpauschale an. Das flexible Carsharing (Free-Floating-Carsharing) ist in den Städten beliebt. Die Autos «verteilen sich durch die Fahrten der Kunden von selbst» und eine Reservierung ist nicht immer notwendig. Der Vorteil dieser Variante ist die sehr hohe Flexibilität. Der Nachteil die hohen Kosten bei längeren Fahrten, denn es wird pro Minute oder Kilometer abgerechnet. Vor allem die Autohersteller setzen mit ihren Carsharing-Angeboten auf dieses relativ neue Modell. Immer mehr Anbieter ermöglichen zudem eine Kombination aus stationärem und flexiblem Carsharing.

TREND: STEUERVORTEILE NUTZEN
In der Schweiz herrschen klare Regeln, wie Firmenwagen steuerlich zu behandeln sind. Arbeitgeber können die Kosten rund um ihre Fahrzeuge bis auf die Mehrwertsteuer voll absetzen. Mitarbeiter versteuern die private Nutzung von Firmenwagen pauschal mit monatlich 0,8 Prozent vom Netto-Anschaffungspreis. Die Firmen können grundsätzlich alle Kosten, die mit dem Betrieb von Firmenwagen verbunden sind, als Personalaufwand von der Steuer absetzen. Zu beachten ist allerdings, dass über den durch den geldwerten Vorteil beim Mitarbeiter entstehenden Privatgebrauch Mehrwertsteuer von zurzeit acht Prozent als Eigenverbrauch abgerechnet werden muss. Wenn Unternehmen die Firmenfahrzeuge erwerben, können sie grundsätzlich zwischen zwei Abschreibungsmethoden wählen: entweder können die Unternehmen Abschreibungen vom Buchwert vornehmen, wobei in der Regel ein Abschreibungssatz von 40 Prozent pro Jahr akzeptiert wird. Alternativ können die Unternehmen stets vom Anschaffungswert abschreiben. In diesem Fall ist die jährliche Abschreibung auf grundsätzlich 20 Prozent limitiert. Firmenwagen sind in der Schweiz eine interessante Option, die Mitarbeiter zu entlohnen und zusätzliche Leistungsanreize zu schaffen. Für viele Unternehmen ist der Fuhrpark daher ein Motivationsinstrument, das gezielt eingesetzt wird.

IM NUTZFAHRZEUGBEREICH SIND FOLGENDE TRENDS AUSZUMACHEN
1. Wachsendes Transportaufkommen Zusätzliche Dynamik erfährt der Güterverkehr aus dem wachsenden Online-Handel mit der Zunahme von kostenlosen Lieferungen und Rücksendungen, was die Zahl der Retouren deutlich erhöhen dürfte. Der Strassengüterverkehr wird bis 2050 um mehr als das Doppelte wachsen. Mit dem steigenden Verkehrsaufkommen erhöhen sich zugleich die Anforderungen an die Verkehrsinfrastruktur.

2. Effizientere Antriebstechnologien
Während elektrische und hybride Antriebstechnologien in den nächsten 20 Jahren zunehmend im städtischen Lieferverkehr eingesetzt werden, wird sich im Bereich der schweren Lkw mittel- bis langfristig keine Alternative zum Verbrennungsmotor durchsetzen. Das Potenzial der Energieeffizienzoptimierung bei Dieselmotoren ist noch nicht ausgereizt. Den Verbesserungen bei der Kraftstoffeffizienz steht allerdings ein weiterwachsender Güterkraftverkehr gegenüber. Langfristig könnten Brennstoffzellenantrieb und Wasserstoff als Kraftstoff Nutzfahrzeuge ermöglichen, die keine Emissionen mehr ausstossen.

3. Aerodynamik und Leichtbau
Ein wesentlicher Teil des Kraftstoffverbrauchs wird im Lkw-Verkehr durch den Luftwiderstand verursacht. Fachleute sagen, dass sich Technologien für eine verbesserte Aerodynamik und Material-Innovationen für den Leichtbau zu Zukunftsmärkten entwickeln. Weitere Treibstoffeinsparungen werden durch den Leichtbau ermöglicht, der zu den zentralen Trends im Automobilbau allgemein gehört. Der Logistik-Bereich profitiert davon, dass Nutzfahrzeuge mit einem niedrigeren Leergewicht mehr Fracht transportieren können. Realisierbar sind partielle Gewichtseinsparungen von 20 bis 30 Prozent.

4. Urbanisierung
Aufgrund des steigenden Verkehrsaufkommens werden neue Lösungen für urbane Mobilität an Bedeutung gewinnen. Auch hier gewinnen grüne Konzepte an Bedeutung, denn immer mehr Städte werden strenge Reglementierungen bis hin zu Null-EmissionsVorschriften erlassen, die entsprechende Fahrzeugkonzepte (hybrid, vollelektrisch etc.) erfordern. Kleinste Elektrofahrzeuge könnten in Zukunft zum Transport von Waren und Paketen eingesetzt werden.

5. Intelligente Infrastrukturen
Nutzfahrzeuge werden zunehmend in smarte Infrastrukturen integriert werden. Nutzfahrzeuge werden in Zukunft nahtlos in smarte Infrastrukturen (vehicle-to-vehicle und vehicle-to-roadside) integriert sein. (Quelle: Futuremanagementgroups).

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