Standortporträt BERN NORD Das «Wankdorf-Quartier» wird zur City

von Charles Staubach

Der Berner Norden hat in den letzten Jahren von allen Berner Quartieren die grösste (Weiter-)Entwicklung innerhalb einer kurzen Zeitspanne erlebt. Mit einher dieser Entwicklung gingen neue Herausforderungen, besonders im Bereich Verkehrsmanagement. 

Den Verkehr mit betrieblichen Massnahmen so beeinflussen, dass dieser flüssiger und sicherer durch die Ortszentren zirkuliert. Solches plant das Tiefbauamt des Kantons Bern auf den überlasteten Kantons- und Gemeindestrassen der Agglomeration Bern. Den Anfang macht die Region Bern Nord. Bis 2020 soll hier ein Verkehrsmanagementsystem den Betrieb aufnehmen. Es geht nicht nur darum, eine geringere Stausituation bei den Autobahnzubringern zu erwirken, sondern auch generell um mehr Verkehrssicherheit in den Ortszentren und um geringere Zeitverluste für Bus und Postauto. 

Besonders belastet ist das Strassennetz in den nördlichen Agglomerationsgemeinden von Bern. Weil sich der Verkehr auf den Autobahnen A1 und A6 oft staut, weichen viele Automobilistinnen und Automobilisten in den Hauptverkehrszeiten auf die Kantons- und Gemeindestrassen aus. Das führt zu Staus in den Ortszentren und Verspätungen bei Bussen und Postautos. Die Reisezeiten sind vielfach sehr unberechenbar. Die Folge sind Verspätungen und verpasste Anschlüsse, die sich wiederum auf den S-Bahn-Betrieb auswirken. Die grössten Einbussen hat der ÖV im Bereich der Bahnhöfe Zollikofen, Schönbühl RBS und Papiermühle. Ein gutes Beispiel für eine chronisch überlastete Einfallsachse während der Morgen- und Abendspitzenstunden ist die Bernstrasse zwischen Worblaufen und Münchenbuchsee/Schönbühl. Und der Druck auf das regionale Strassennetz wird weiter ansteigen, weil der Verkehr generell zunimmt und ein Ausbau der Autobahn A1 frühestens ab 2027 realisiert werden kann.

Region Bern Nord als Pilotprojekt
Weil der Handlungsdruck in der Region Bern Nord besonders gross ist, nimmt der Kanton dort prioritär Massnahmen an die Hand. Der Verkehr soll auf den Hauptachsen so gesteuert werden, dass er flüssiger und sicherer wird. Wichtigstes Bestreben der Verkehrsexperten ist es, dass die Wohngebiete entlastet werden. «Wir wollen dafür sorgen, dass sich in den Ortszentren keine Staus mehr bilden», sagt Projektleiter Alain Maradan. «Schulkinder und andere Verkehrsteilnehmende, die zu Fuss oder per Velo unterwegs sind, sollen sich hier wieder sicherer fühlen.» Die Arbeiten am Projekt «Verkehrsmanagement Region Bern Nord» sind Anfang 2018 gestartet worden. 2020 möchte das Tiefbauamt das System in der Region Bern Nord in Betrieb nehmen können.

Beteiligt am Pilotprojekt sind das Bundesamt für Strassen sowie die Gemeinden Bern, Bolligen, Ittigen, Moosseedorf, Münchenbuchsee, Urtenen-Schönbühl und Zollikofen, welche das Projekt auch mitfinanzieren. Die Bedeutung des Projekts anerkennt auch der Bund, welcher im Rahmen des Agglomerationsprogramms namhafte Beträge daran leistet. Es handelt sich um das erste von mehreren solchen Projekten, die in den nächsten Jahren in der gesamten Agglomeration Bern umgesetzt und aufeinander abgestimmt werden.

Der Norden «lebt» – eine erstaunliche Entwicklung
In der Chronik, verfasst von der Leist-Bern-Nord, wird die Entwicklung des Berner Nordens genau beschrieben: Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert litt die Innenstadt von Bern unter einer Wohnungsnot als Folge der wachsenden Bevölkerung. Zur Verbesserung der Verhältnisse wurde das unbewohnte Gebiet auf der rechten Seite der Aare erschlossen. Die Eröffnung des provisorischen Bahnhofes Bern auf dem Wylerfeld am 16. Juni 1857 (bis 1858 Endpunkt der Eisenbahnlinie Olten–Bern) brachte Entwicklung in diese nördliche Randzone. Als wichtiger Arbeitsplatz mit auslösender Quartierentwicklung ist die 1877 an der Wylerringstrasse neben der Bahnlinie entstandene Waffenfabrik zu erwähnen. Durch den  Zuzug kinderreicher Familien entwickelte sich das Wylerfeld zu einem der dichtest besiedelten Stadträume Berns. 1873 stand das grosse Schulhaus Breitfeld (Standstrasse 61) für Wyler und Breitenrain bereit. Ende der 1850er-Jahre entstand mit der 1858 eröffneten Roten Brücke, der Eisenbahnbrücke über die Aare mit Fahrweg im Brückenkörper, eine direkte Verbindung zur Stadt.

Die Verlegung der kantonalen Militäranstalten (Kaserne, Stallungen, Zeughäuser) zwischen 1873 und 1878 aus der Stadt auf das Beundenfeld (1890–1893 auch die eidgenössischen Zeughäuser und Pferdestallungen) liess im Breitenrain die grösste zusammenhängende Überbauung entstehen. In der Kaserne waren jahrein, jahraus Truppen stationiert. In der Umgebung der Kaserne entstanden verschiedene Wirtschaften, die sich eines vorzüglichen Geschäftsganges erfreuen konnten. Nach der Wirtschaftskrise der 1870er- und 1880er-Jahre setzte vor der Jahrhundertwende die Nachfrage nach Bauland intensiv ein. Nach der Eröffnung der Kornhausbrücke im Jahre 1898, der damals schönsten und grössten modernen Hochbrücke, wurde der Viktoriaplatz zum eigentlichen Quartiereingang Spitalacker-Breitenrain. Von da an setzte die Entwicklung unseres Nord­quartiers vollends ein.

Der BEA-Expo-Wankdorf-PostFinance-Arena-Effekt
Seit August 2005 steht auf dem Boden des legendären Wankdorf Stadions das Stade de Suisse Wankdorf Bern. Die Heimarena des BSC Young Boys bietet an Fussballspielen rund 32᾽000 Zuschauern Platz. Wenn der Ball ruht, wird das Stade de Suisse zur spektakulären Eventlocation. Das Stadion befindet sich rund zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Das Wankdorfquartier ist ausgezeichnet mit dem öffentlichen Verkehr verbunden. So gibt es fast neben dem Stadion einen Bahnhof, der nur drei Fahrminuten vom Berner Hauptbahnhof entfernt ist. Dieser wurde zusammen mit dem Stade de Suisse im Jahr 2005 gebaut und eröffnet. Weiter ist das Stadion durch eine Buslinie und eine Tramlinie von Bernmobil erschlossen. 2004 wurde übrigens im Raum Wankdorf auch das grösste Hotel in Bern eröffnet. 

Vom Sommer 2007 bis Sommer 2009 wurde die Postfinance Arena total saniert. Für die Sanierung war als Generalunternehmer die Firma HRS verantwortlich. Die Umbauarbeiten begannen am 16. August 2007. Die Immobilieninvestment-Gesellschaft Swiss Prime Site AG investierte rund 105 Millionen Schweizer Franken in den Umbau und in die Erweiterung der PostFinance-Arena. Seit dem 16. August 2007 heisst das Stadion PostFinance-Arena. 

Ende Oktober 2012 wurde der neue Autobahnanschluss Wankdorf am Schermenweg in Betrieb genommen, der im Rahmen der Gesamterneuerung der Stadttangente Bern gebaut wurde. Seit Dezember 2012 ist der neu gestaltete Wankdorfplatz mit seinem zweistöckigen Kreisel in Betrieb, und die verlängerte Tramlinie 9 verkehrt nun bis zum S-Bahnhof Wankdorf. Daneben bietet der Raum Wankdorf Wohnraum mit hoher Lebensqualität für die unterschiedlichsten Ansprüche.

Das Konzept Wankdorf City
Im Sommer 2014 hatte der Gemeinderat entschieden, die letzten zur Verfügung stehenden Baubereiche im städtischen Teil der zweiten Entwicklungsphase von Wankdorf City an das Bieterkonsortium Schweizerische Mobiliar / Losinger Marazzi AG zu vergeben. Losinger-Marazzi beziehungsweise Mobiliar plant eine Überbauung mit 50 Prozent Wohn­anteil, einem Hotel und weiteren gewerblichen Nutzungen. Ebenfalls Bestandteil der zweiten Entwicklungsphase war die Realisierung des grossen, modern konzipierten und nach neuesten arbeitspsychologischen Erkenntnissen erstellten Dienstleistungsgebäudes der SBB östlich der Gardistrasse für 1 800 Mitarbeitende des IT-Bereiches. 

Quartierzentrum Wylerhuus
Der Berner Norden verfügt über ein Quartierzentrum und somit über zahlreiche Räumlichkeiten, welche zu günstigen Konditionen, einfach und unbürokratisch gemietet werden können. Hier hat man die Möglichkeit, sich mit anderen zu treffen, gemeinsam zu kochen und zu essen, zu tanzen, Feste zu feiern und vieles mehr. Das Quartierzentrum der Vereinigung Berner Ge­meinwesenarbeit (VBG) unter der Leitung von Sonja Preisig und Andreas Rohrbach setzt sich für mehr Lebensqualität in den Berner Quartieren ein. Im Auftrag der Quartierkommission DIALOG Nordquartier1 betreibt die Quartierarbeit eine Verkaufsstelle der beliebten Tages­karten Gemeinde der SBB.2

Anmerkungen
1 www.dialognord.ch
2 www.wylerhuus.ch

www.bve.be.ch
www.leist-bern-nord.ch