SCB, YB und Co. lassen den Rubel rollen

Von Joël Ch. Wüthrich

Der SC Bern – Eishockey-Fankrösus nicht nur in der Schweiz sondern auch seit vielen Jahren in ganz Europa.

Der Kanton Bern etabliert sich je länger je mehr zur Sporthochburg in der Schweiz. Nicht nur der SCB und der BSC Young Boys sind in ihren Ligen Spitze, sondern auch viele andere Clubs der populärsten Mannschaftssportarten der Schweiz aus der Grossregion und Agglomeration Bern. Welchen Einfluss hat dieser Umstand auf die Wertschöpfung in der Region?

Die Dominanz der Berner Clubs im Eishockeysport ist nicht neu. Der EHC Biel, die SCL Tigers und der SC Bern hatten schon immer ihre sportlich erfolgreichen Zeiten. Aber nicht immer können sich gleich alle drei gleichzeitig an der Spitze des Schweizer Eishockeys etablieren. Auch im Fussball befindet sich nicht nur YB als Dominator im oberen Bereich der Tabelle. Der FC Thun hält wacker oben mit. Und dies mit bescheidenen finanziellen Mitteln. Apropos wacker: Auch im Handball mischt ein Club aus dem Kanton den Sport auf. Wacker Thun wurde 2018 nicht nur Schweizer Meister, sondern war auch der Schweizer Vertreter in der Handball Champions League. Im Unihockey gehören mit dem SV Wiler-Ersigen und Floorball Köniz gleich zwei Berner Teams zu den Top-Adressen der Schweiz. Die Liste könnte noch erweitert werden – und die vielen erfolgreichen Einzelsportlerinnen und Einzelsportler aus der Region sind hierbei nicht einmal mit berücksichtigt. 

Bruttowertschöpfung des Sports um mehrere Prozent gestiegen
Welchen Einfluss hat die Berner Erfolgswelle im Spitzensport auf die Menschen und auf die Wertschöpfung, die der Sport damit generiert? Erstmal lohnt sich der Blick auf die Entwicklung der Schweizer Sportwirtschaft: Diese hat sich in den letzten Jahren sehr stark entwickelt. Das zeigen Zahlen aus einer Untersuchung, die das Forschungsunternehmen Rütter Soceco im Auftrag des Bundesamts für Sport BASPO erstellt hat. Die Bruttowertschöpfung des Sports ist um mehrere Prozent gestiegen. Die Beschäftigung ebenfalls. Die Zunahme ist primär auf ein Wachstum in den Bereichen Sportanlagen, Sportvereine und -verbände sowie Sportunfälle zurückzuführen. Dabei waren Faktoren wie der anhaltende Boom bei den Gymnastik- und Fitnesscentern, eine gesteigerte Arbeitsproduktivität bei den internationalen Sportverbänden sowie zunehmende Sportunfallzahlen und allgemeine Kostensteigerungen im Gesundheitswesen ausschlaggebend. Der Anteil der Sportwirtschaft ist ungefähr gleich gross wie derjenige der Branche Energie- und Wasserversorgung und mehr als doppelt so hoch wie jener der Land- und Forstwirtschaft. Mit mehr als 100᾽000 Vollzeitstellen leistet der Sport einen Beitrag von über 2.5 Prozent zur Gesamtbeschäftigung der Schweiz. 

Wichtiger Aspekt für die Wertschöpfung sind Sportanlässe 
Beim Thema Wertschöpfung durch den Sport sind auch die Sportanlässe mit zu berücksichtigen. Schliesslich konsumieren Besucherinnen und Besucher eines Sport-Events. Bei einer Rückmeldung von Bern Welcome auf eine Anfrage des «Geschäftsführers» im Herbst 2018 hiess es, dass «beispielsweise ein Fussballfan erfahrungsgemäss weniger generiere als zum Beispiel ein Besucher eines Box-Events. Die Wertschöpfung werde vor allem bei mehrtägigen Anlässen gebracht. So werde der Konsum in den Bereichen Shopping, Gastronomie, Hotellerie und Stadtbesichtigungen gefördert.» Spezielles Potenzial sieht Bern Welcome hierbei im Nachwuchssport, wenn mitunter die ganze Familie anreise, sowie in Nischensportarten. Letztere seien insofern interessant, da sie Wert­schöpfung im kleinen und regelmässigen Rahmen bringen, die Stadt aber bezüglich Infrastruktur nicht so fordert, wie es Grossanlässe machen.

Andere Wertschöpfungskomponenten – Stolz, Identifikation, Nachahmung
Aber auch die Teilnahme eines Berner Fussball- oder Eishockeyclubs an einem internationalen Wettkampf mit der Beteiligung des BSC YB und des SCB kann eine hohe Wertschöpfung generieren. Eine Teilnahme an internationalen Wettkämpfen ist wichtig, speziell im Fussball. Wenn nämlich internationale Mannschaften mit ihren Fans nach Bern reisen, sind die Hotels in der Stadt nahezu ausgebucht. Besonders spannend wird es jedoch für die Wertschöpfung insgesamt, wenn prominente Gegner mit grosser Fanschar anreisen und dies zudem weltweit viel Aufmerksamkeit erzeugt. Das war nun auch für Bern zutreffend, da YB in der Uefa Champions League attraktive Gegner mit vielen Fans anzog, die mindestens zwei Tage und eine Logiernacht in der Stadt blieben. In Bezug auf die Wertschöpfung insgesamt, worin eben diese Logiernächte, die Umsätze bei den Detailhändlern der unmittelbaren Region und die Publicity für die Stadt und Region im Allgemeinen einbezogen werden, hängt vieles von der gegnerischen Mannschaft ab. Englische Teams mit ihrem grossen Anhang und der guten Erreichbarkeit generieren zusätzlich ungefähr 2 000 und mehr Logiernächte.

Ebenfalls ein Aspekt: die «neue Lust am Sport». Erfolge machen Lust auf mehr, sorgen dafür, dass nicht nur das prinzipielle Interesse steigt und mehr Fans den Weg in die Stadien oder zu den Anlässen auf sich nehmen (und dabei auch konsumieren). Nicht zu unterschätzen für die Wertschöpfung sind auch der Stolz und die psychologische Komponente. Das Selbstbewusstsein im Kanton steigt mit jedem Erfolg eines Sportclubs, und man identifiziert sich eher mit einem erfolgreichen Club als mit einem sportlichen Sorgenkind. «Die grossartigen Leistungen der Clubs machen mich stolz», sagte kürzlich Philippe Müller, für den Sport zuständiger Regierungsrat, in einem Interview. Als Momentaufnahme wolle er die Berner Vorherrschaft im Teamsport nicht abtun und verwies auf die jahrzehntelange Konstanz im Eishockey durch den SCB oder die langjährige Dominanz von Wiler-Ersigen im Unihockey. «Auch YB spielte schon in den Jahren vor dem Titel vorne mit», sagt Müller. Und fügt an: «Insbesondere der Erfolg der Young Boys tut dem Selbstbewusstsein des Kantons enorm gut.» (Quelle: 20min.ch). 

Die Basis für die Erfolge im Leistungssport indes, liegt in der Förderung des Breitensports. Mit dem Sportfonds unterstützt der Kanton Vereine und Verbände etwa beim Bau von Sportanlagen oder bei der Anschaffung von Sportausrüstung. Bei der Bewilligung der Beiträge ist der Kanton Bern im Vergleich zu anderen Kantonen relativ grosszügig. So können viele lokale Sportclubs von den Geldern profitieren.