Nächste «Goldene Generation» in den Startlöchern

von Joël Ch. Wüthrich

Regelmässig räumen die Schweizerinnen und Schweizer an den World Skills – den offiziellen Berufs-Weltmeisterschaften – eine grosse Anzahl Medaillen ab. 2017 waren es sagenhafte 20 – davon elf goldene. Für alle Berufstalente ist es ein Traum, in der «Berufs-Nati» dabei zu sein. Der Weg führt über die SwissSkills. Von 12. bis 16. September 2018 werden die Schweizer-Meister-Titel in Bern vergeben, und man kann sich für die nächste Berufs-WM qualifizieren.

Für jene, die Talente live und unter Wettkampfbedingungen über die Schulter schauen möchten, ist Bern ab 12. September 2018 das Schweizer Epizentrum. In 75 Berufen wird an den SwissSkills um Schweizer-Meister-Titel gekämpft. Für diesen Grossanlass, der ein enormes Zuschauer- und Medieninteresse weckt sowie die Berufsverbände elektrisiert, lassen sich die Berner auch einiges an organisatorischem und finanziellem Aufwand kosten. Und so greift die Berner Stadtregierung ganz schön in die Schatulle: Um Unterstützung von 300’000 Franken wurde sie von SwissSkills 2018 angefragt. Angesichts des grossen Interesses und der erfolgreichen World Skills wurde der Betrag aber gleich beinahe verdoppelt: Vorgesehen sind nunmehr fast 540’000 Franken! Der Kredit setzt sich aus drei Teilbeträgen zusammen. Zum einen aus einem Barbetrag an die Organisatoren von 125’000 Franken, mit dem der Mehraufwand seitens SwissSkills gedeckt werden soll, der den Organisierenden aufgrund eines geplanten nationalen Thementages bei der SRG SSR entsteht. Der zweite Betrag wird im Rahmen eines Gebühren- und Kostenerlasses von insgesamt 175’000 Franken geleistet, wovon 13’000 Franken von Bern Welcome übernommen werden. Der dritte Beitrag betrifft die Unterstützung von 245’300 Franken für ein Berner Rahmenprogramm. Auf Anregung der Stadt Bern sieht dieses Rahmenprogramm unter anderem vor, jungen Menschen mit Behinderung den Zugang zur Ausbildungs- und Berufswelt zu erleichtern. Ausserdem sollen junge Menschen angesprochen werden, die aufgrund ihres Migrationshintergrunds sprachliche Schwächen aufweisen und deshalb Mühe haben, eine Lehrstelle zu finden.

Teilnahme- und Besucherrekord
«Das Interesse ist enorm. Die Feedbacks von ganz links bis ganz rechts sind äusserst positiv», sagte beispielsweise Gemeinderat Reto Nause. Bern wolle, so wurde vermittelt, auch die übernächsten SwissSkills 2022 austragen. Der Berner Event wird im Rahmen der SwissSkills der bisher wohl grösste und umfassendste, aber auch modernste und spannendste aller Zeiten. Erwartet werden in der Wettkampfwoche nämlich über 150’000 Besucher, über 1’000 Teilnehmende in 75 Berufs-Meisterschaften. Viele Jugendliche haben sich zudem für das Selektionsverfahren der nächsten World Skills in Kasan in Russland beworben. Man spricht von einer Zunahme von über 20 Prozent gegenüber der letzten Mission in Abu Dhabi, erläuterte Projektleiter Paul Hüppi. Der Weg nach Kasan führt für die meisten Berufsverbände über die SwissSkills 2018 in Bern.

Grosses mediales Interesse und viel Interaktion
Neu an den SwissSkills 2018: die Möglichkeit der Interaktion. Gegenüber den ersten und bislang einzigen SwissSkills auf dem Gelände der Bern Expo 2014 soll es Besuchern diesmal auch möglich sein, selbst einen Grossteil der Berufe auszuprobieren. Dafür interessieren sich jetzt schon sehr viele Schulklassen in der ganzen Schweiz, die im Rahmen der Lehrstellensuche einen Ausflug nach Bern planen. «Bereits über 53’000 Schulbesuche wurden gebucht. Bei den ersten zentralen SwissSkills 2014 hatten Schulklassen mit 34‘988 Schülerinnen und Schülern den Anlass besucht», freuen sich OK-Präsident Dr. Claude Thomann und Stiftungsratspräsident von SwissSkills, Reto Wyss. Um die Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Schweiz nach Bern zu transportieren, planen die SBB den Einsatz von bis zu acht Extrazügen pro Tag. Medial begleitet werden die SwissSkills 2018 unter anderem im Rahmen einer SRG-Themenwoche von den TV-, Radio- und Onlinekanälen aus allen Landesregionen. Höhepunkt der umfassenden Berichterstattung ist eine neunstündige Live-TV-Sendung von den SwissSkills 2018 am Samstag, 15. September, die auf SRF 1 ausgestrahlt wird. Die französisch- und italienischsprachigen TV-Sender (RTS/RSI) berichten jeweils vier Stunden live aus Bern.

Hohe Wertschöpfung und Imagegewinn für Bern
Das alles wird in Bern eine hohe Wertschöpfung und ein noch grösserer Imagegewinn erwirken und auch beim Thema «Arbeitswelten 4.0» und Talentschau in den nationalen Fokus rücken. Die Stadt Bern steht an den fünf Veranstaltungstagen im Fokus des nationalen Interesses und erhält die Möglichkeit, sich als weitsichtige Akteurin in der Bildungspolitik zu präsentieren und ihre Rolle als Bundesstadt, Politzentrum und idealen Messestandort an der Sprachgrenze im Herzen der Schweiz zu stärken. Man profitiere natürlich von der gelungenen Erstaustragung des Jahres 2014. Viele Lehrpersonen hätten dort gesehen und erlebt, was die SwissSkills speziell für Schülerinnen und Schüler im Berufswahlalter bieten und wie dieser Anlass das Angebot der regionalen Berufsmessen ideal ergänze, erklärte Claude Thomann das enorme Interesse. Dazu wird eine riesige «temporäre Fabrik» für 1’100 Teilnehmende auf einer Fläche von 100‘000 m² (= 14 Fussballplätze) aufgebaut. In über 100 Berufen können die Besucher gar selber etwas ausprobieren. Das kann man nirgends sonst, ergänzt der stolze OK-Präsident Claude Thomann.

Begeisterter Bundesrat Johann Schneider – Ammann
Dass die SwissSkills 2018 ein nationaler Anlass sind, der den Wert der Schweizer Berufslehre herausstreicht, erkennt man an der bundesrätlichen Unterstützung. Bildungsminister Johann Schneider-Ammann hat zwei weitere Bundesräte ins SwissSkills-2018-Boot geholt. Die Bundesräte Ignazio Cassis und Guy Parmelin übernehmen jeweils das Patronat des Team Svizzera Italiana und des Team Romandie. So erfahren auch in der lateinischen Schweiz die besten jungen Berufsleute den höchsten politischen Rückhalt. Mit SwissSkills verfüge die Berufslehre über ein grossartiges Schaufenster, sagte Bundesrat Johann Schneider-Ammann an der Medienkonferenz des SwissSkills Day. Es sei eine weitere ausgezeichnete Plattform, um die Qualität und die Möglichkeiten unseres dualen Berufsbildungssystems zu demonstrieren. Der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) freut sich dabei nicht nur darüber, dass «die Schweizer Berufsbildung während der SwissSkills 2018 so stark im Fokus stehen werden wie nie zuvor», sondern auch, dass sich anhand der SwissSkills 2018 zeigen lasse, wie gut Privatwirtschaft und öffentliche Hand in der Berufsbildung zusammenarbeiten.

Darum sind Schweizer Berufsleute Weltklasse
Das duale Berufsbildungssystem in unserem Land ist einzigartig. Junge Schweizer Berufsleute stellen das an Meisterschaften immer wieder unter Beweis. Elf Goldmedaillen holte das SwissSkills-Team, das im Oktober 2017 in Abu Dhabi an der Berufs-WM antrat.

Das duale Bildungssystem in der Schweiz ist ein echtes Erfolgsmodell: Dank der Kombination der Ausbildungen über den akademischen Weg und die Berufslehre haben auch junge Berufsleute mit durchschnittlichen oder schlechten schulischen Leistungen die Chance, Erfolg zu haben und an internationalen Berufsmeisterschaften Preise zu gewinnen. Dies bestätigt auch die neue Studie «Die Top 200 des beruflichen Nachwuchses» der Erziehungswissenschafterin Prof. Dr. Magrit Stamm, welche im Rahmen des SwissSkills Day 2017 am 8. Februar in Bern vorgestellt wurde. Ihr Fazit: Eine hohe Qualität der Berufsbildung stärkt die Schweizer Innovationskraft.

Das duale Bildungssystem der Schweiz ergänzt eine international hoch angesehene akademische Ausbildung mit der direkten, praxisorientierten Berufslehre. Die Berufsausbildungen dauern jeweils drei bis vier Jahre und orientieren sich an tatsächlich nachgefragten beruflichen Qualifikationen und an den zur Verfügung stehenden Arbeitsplätzen. Gemeinsam sorgen die Hochschulstudiengänge und die Berufslehren für eine ideale Mischung von Talent aus Theorie und Praxis. Die hohe Qualität der Berufsbildung ist eine zentrale Stütze der Innovationskraft und Leistungsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft, die ihrerseits interessante Stellen und gute Entwicklungsmöglichkeiten für motivierte und qualifizierte Fach- und Führungskräfte bietet. Aber: «Erfolg ist nicht an eine akademische Laufbahn gebunden. Es gibt viele Erfolgsgeschichten von Menschen, die mit einer Lehre begonnen haben und mittels der höheren Berufsbildung weit gekommen sind», sagt beispielsweise Terry Tschumi, Schulleiterin der TEKO Basel (Höhere Fachschule für HR-Abschlüsse in den Bereichen Technik, Wirtschaft und Büromanagement) und fügt an:  «Der Vorteil der dualen Weiterbildung liegt in der professionellen Kombination von Wissen mit gleichzeitigem Aufbau praktischer Kompetenzen.»

Das Schweizer Bildungssystem geniesst weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Im «Global Competitiveness Report» des World Economic Forum rangiert das Schweizer Ausbildungssystem im weltweiten Vergleich seit Jahren auf Platz 1 (Quellen: Switzerland Global Enterprise).