Mittagessen aus dem Automaten

von Freya Mohr

Es muss nicht immer die grosse Kantine sein, um den Mitarbeitenden Getränke und Mahlzeiten anzubieten. Snack- und Getränkeautomaten oder kleine Snackboxen sind eine kostengünstige Alternative für KMU. Und dabei reicht das Angebot längst über Schokoriegel, Instantkaffee und kalte Speisen hinaus.

Verpflegung rund um die Uhr auf Knopfdruck. Was einst eine absolute Neuheit war, ist heute kaum mehr aus dem Alltag wegzudenken. Vending-Automaten stehen überall: an Bahnhöfen, in Schulen und Universitäten, in Krankenhäusern und vor allem auch in Betrieben. Was Ende des 19. Jahrhunderts mit Automaten für Schokoladentäfeli begann, ist zu einer ganzen Industrie herangewachsen. Zu den Pionieren gehörten die Kölner Schokoladenfabrikanten Gebrüder Stollwerck, die 1887 gemeinsam mit den Metallwerken Theodor Bergmann und dem Ingenieur Max Sielaff die Idee umsetzten, Münzautomaten mit Warenproben und Schokolade zu befüllen. Sechs Jahre später standen in Deutschland bereits etwa 15‘000 Süssigkeiten-Automaten, anfangs von vielen allerdings noch kritisch betrachtet.

Die Kirche hatte Bedenken wegen des sonntäglichen Verkaufs von Süsswaren und der Verführung von Gläubigern während der Fastenzeit. Konkurrenten missfiel vor allem der Verstoss gegen Verkaufsverbote an Sonn- und Feiertagen. Heute kaum mehr vorstellbar – geht es bei Vending-Automaten doch gerade um die Verfügbarkeit von Waren zu jeder Zeit. Und an jedem Ort. Sofort kommen einem Snack- und Getränkeautomaten an Bahnhöfen und anderen öffentlichen Bereichen in den Sinn. An Schweizer Bahnhöfen stehen Warenautomaten der Schweizerischen Automaten-Gesellschaft seit etwa 1936. Insgesamt mögen es zu dieser Zeit um die 1‘171 Automaten gewesen sein. In den späten 1950ern kam Selecta in die Branche und kaufte die Schweizerische Automaten-Gesellschaft auf. Noch heute dominieren ihre roten Vending-Automaten an den Schweizer Bahnhöfen. Ein Grossteil der Verpflegungsautomaten steht allerdings nicht im öffentlichen Bereich, sondern in Betrieben. Mit einem Angebot von süssen Snacks über kleine Zwischenmahlzeiten bis zu vollwertigen Hauptmahlzeiten bieten sie gerade für KMU eine günstige Art der Mitarbeiterverpflegung.

Vending-Automaten für KMU
Oft lohnt sich eine eigene Kantine für KMU nicht – sie benötigt Platz, und die Betriebskosten sind hoch. Trotzdem möchten viele Arbeitgeber ihren Angestellten eine Pausenverpflegung anbieten. Genau hier setzten die Vending-Automaten an: Für das Znüni lässt sich schnell ein Schokoriegel am Snackautomaten ziehen. Am Nachmittag tauschen sich die Mitarbeitenden bei einem heissen Kaffee aus dem Kaffee-Vollautomaten aus. Und das ist noch nicht alles: Längst bieten Automaten auch kleinere Hauptmahlzeiten an, und diese gehen weit über das kalte Sandwich hinaus. Teilweise kommen die Verpflegungsautomaten direkt in Kombination mit einer Mikrowelle, die Fertiggerichte vor Ort erwärmt. Aber was machen kleine Betriebe, für die sich selbst ein Automat nicht rentiert?

Ein Verpflegungsautomat mit Frischprodukten lohnt sich beispielsweise erst ab etwa 100 Personen, da sonst der Verlust der abgelaufenen Waren zu hoch ist. Es ist demnach von Vorteil, sich darüber Gedanken zu machen, wie viele Mitarbeitende den Automaten am Ende auch nutzen werden. Sind es zu wenige, ist die Snackbox eine Alternative, eine Erfindung aus den USA Ende der 1980er-Jahre. Jeder Mitarbeitende kann auf die Waren der Snackbox frei zugreifen, die Bezahlung erfolgt auf Vertrauensbasis. Ein Betreiber stellt die Boxen zur Verfügung und kümmert sich um die Befüllung. Das Sortiment variiert zwischen süssen und salzigen Snacks, Obst und teilweise sogar Sandwiches. Schnell wird klar: Unterschiedliche Anforderungen der Betriebe fordern ein vielfältiges Angebot an Vending-Automaten und Snackboxen. Hinzu kommen technische Innovationen und der gesellschaftliche Wandel – Herausforderungen, denen sich die Vending-Branche immer wieder stellen muss.

Bargeldlos bezahlen
Genau um diese neusten Trends und Tendenzen im Bereich der Vending-Automaten dreht es sich alle zwei Jahre bei der Eu’Vend & coffeena in Köln. Innovative Technologien und die Weiterentwicklung der Bezahlsysteme stehen bei dieser internationalen Leitmesse im Fokus: Es geht um Energieeffizienz, repräsentative Glasfronttüren, Liftsysteme, Roboterarme und kontaktlose Kreditkarten- und Smartphone-Bezahlsysteme. Wobei gerade in der heutigen vernetzten Welt gerade Letzteres ein immer grösseres Thema ist. Wer kennt es nicht, das lästigen Münzenzählen am Snackautomaten? Genau hier setzen die neuen Bezahlmethoden an. Kontaktlose Kreditkarten-Bezahlsysteme sind allgemein bekannt, und in unserem mobilen Zeitalter sind Smartphone-Bezahlsysteme auf dem Vormarsch, beispielsweise via Near Field Communication (NFC) oder Bezahl-Apps wie Twint. Und was Kunden an der Kasse im Detailhandel gut annehmen, funktioniert auch am Vending-Automaten einwandfrei. Zwar muss an der Mehrzahl der Automaten heute noch mit Münzen und Scheinen bezahlt werden, aber Cashless Payment ist definitiv ein Trend, den auch die Automaten-Branche erkannt hat.

Food-Trends im Automaten
Ein weiteres wichtiges Thema sind die Waren, die ein Automat bereitstellt. Und auch hier zeigt sich die Eu’Vend & coffeena als Leitmesse und setzt Trends. Im Kommen ist der sogenannte Office Coffee Service – die Versorgung der Mitarbeitenden und Kunden mit Speisen und Getränken im Büro. «Mit den Arbeitswelten verändern sich auch die Anforderungen an eine zeitgemässe Versorgung von internen und externen Mitarbeitern sowie Kunden mit Heiss- und Kaltgetränken sowie Snacks», weiss Stefanie Mauritz, Projektmanagerin der Messe. Instant-Automaten, die Heissgetränke aus Pulver und Wasser herstellen, sind längt passé. Am Arbeitsplatz fordern die Angestellten Kaffee in Barista-Qualität. Der Pausenraum entwickelt sich immer mehr zu einem Coffee-Corner mit Bohnenkaffee-Automaten. Aber nicht nur im Kaffeegenuss stellen die Mitarbeitenden höhere Anforderungen.

Allgemein entscheidet die Gesellschaft bewusster, was Ernährungsfragen angeht. Immer nur Süssigkeiten im Snackautomaten? Heute muss es gesund sein: Die Ernährungstrend von Low-Carb bis Vegan schlagen sich auch in den Vending-Automaten nieder. Die Dr. Karg’s Bio-Vollkorn-Snack-Packs sind beispielsweise eine vollwertige Zwischenmahlzeit und mit Körnern und Saaten eine gesunde Alternative zu Chips und Schokoriegeln. Einen Schritt weiter geht das deutsche Unternehmen LunchVegaz, das Vending-Automaten mit seinen Bio-Fertiggerichten anbietet. Damit antworten die biologischen und rein pflanzlichen Fertiggerichte auf den gesunden Lebensstil. Was Snackboxen angeht, sind frische Früchte längst eine bekannte Alternative zu den süssen und salzigen Snacks. So läuteten zwar die Münzautomaten gefüllt mit Schokotäfeli die Geburtsstunde der heutigen Vending-Automaten ein, die neuesten Ernährungstrends und digitalen Innovationen machen aber auch vor der Automaten-Branche nicht halt.

Selecta AG

 

Warning: A non-numeric value encountered in D:\www\www366\GF\BE\wp-content\themes\Newspaper\includes\wp_booster\td_block.php on line 353