In die nächste Runde

MUD Jeans sind eine Antwort auf Wegwerfkleidung und Fast Fashion.

Noch immer landet ein Grossteil der ausgetragenen Kleidung in der Tonne. Viele sehen die Kreislaufwirtschaft als neue Lösung für die Umweltprobleme unserer Wegwerfgesellschaft. Aber Recycling alleine reicht nicht aus. Der «Geschäftsführer» Bern stellt innovative und nachhaltige Geschäftsmodelle für die Modebranche vor.

Nachhaltigkeit ist ein Buzzword, das sich immer mehr in allen Bereichen des Lebens ausbreitet. Einst galt man als Öko, wenn man im Reformhaus einkaufte, heute ist es hip, regionales Gemüse beim Bio-Bauern auf dem Markt zu kaufen und auf Elektro-Autos umzusteigen. Vielen ist es bewusst, dass unser ökologischer Fussabdruck immer grösser wird und möchten etwas dagegen unternehmen. Sei das der Verzicht auf Fleisch, das Reisen mit Bus und Bahn statt mit dem Flugzeug oder das Kaufen von regionalen, saisonalen Lebensmitteln. Aber nicht nur aus Konsumentensicht ist das Bewusstsein gestiegen, auch einige Produzenten achten vermehrt auf einen ressourcenschonenden Umgang mit der Natur – oder es entstehen ganz neue Geschäftsideen.

NACHHALTIGE MODE
So kommt beispielsweise auch die Modebranche nicht mehr um das Thema Nachhaltigkeit herum. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher fordern verstärkt nach einer nachhaltigen Textilproduktion: das fängt bei den Arbeitsbedingungen an und geht über das Verwenden von ökologischen Materialien bis hin zum Recycling von Kleidungsstücken. Allerdings besteht in diesen Bereichen noch viel Luft nach oben. Was den letzten Punkt betrifft, landen heute acht von zehn Kleidungsstücken nach dem ersten Gebrauchszyklus im Müll. Das Gute: die Modebranche hat diese Verschwendung von Ressourcen bereits bemerkt und beschreitet neue Wege.

Kreislaufwirtschaft ist kein neues Phänomen – wir kennen es beispielsweise aus dem Recycling von Glas, Weissblech und PET-Getränkeflaschen. Auch in der Modebranche setzen Unternehmen nun vermehrt auf Kreislaufwirtschaft. Das bedeutet, nachhaltige Ressourcen so lange wie möglich wiederzuverwerten. Bei Kleidungsstücken sind das beispielsweise Polyester- oder Baumwollfasern. Bekannte Marken wie auch kleinere Unternehmen verfolgen bereits diesen Lösungsansatz, der allerdings auch teilweise in der Kritik steht. So bemängelt Greenpeace, dass vor allem grosse Marken hier falsche Prioritäten setzen: Die Abfallhierarchie sieht vor, dass die Vermeidung von Abfall und die Wiederverwendung vorranging behandelt werden sollten. Erst anschliessend sollte es um das Recycling alter Kleider gehen. Die Organisation sieht das Problem vor allem in der Fast-Fashion-Industrie und der Nachfrage nach billiger Wegwerfkleidung.

AUS ALT MACH NEU
Erst reparieren und dann recyceln ist der Schlüssel zu einem nachhaltigeren Konsum. Kleinere Brands verfolgen deswegen bereits einen anderen Ansatz und setzen auf haltbare und zeitlose Kleidungsstücke. Dass die perfekte Jeans nicht zwingend ein textiler Umweltsünder sein muss, beweisen zum Beispiel MUD Jeans. Bestrebt, einen neuen Weg zu gehen, setzt das niederländische Label seit Beginn auf die Kreislaufwirtschaft: Ausgetragene Jeans werden geschreddert, mit Biobaumwolle gemischt und so zu neuem Jeansgarn gesponnen. Zu rund einem Viertel bis 40 Prozent bestehen MUD Jeans aus recycelten Baumwollfasern, was sowohl den Wasserverbrauch als auch den CO2-Ausstoss erheblich verringert. Damit das einwandfrei funktioniert, setzt das Unternehmen bereits beim Design der Jeans auf Wiederverwendbarkeit und verzichtet beispielsweise auf Lederlabels. Aber Kreislaufwirtschaft und eine sozialverträgliche Produktion sind längst nicht alles, worauf das Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit setzt.

Bert van Son, Gründer von MUD Jeans, hat erkannt, dass zu einer nachhaltigen Abfallwirtschaft nicht nur die Kreislaufwirtschaft gehört, sondern auch Reparieren und innovative Geschäftsmodelle. Im Schnitt behalten wir ein Kleidungsstück für rund ein Jahr in unserem Kleiderschrak bevor wir es wieder wegwerfen. Deshalb müssen Kunden eine MUD Jeans nicht unbedingt kaufen, sondern können diese auch einfach leasen – für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr. Anschliessend bekommt der Kunde eine neue Jeans. Die alte geht zurück an das Unternehmen, um die Materialien zu recycelt. Aber was, wenn die Jeans innerhalb der Leasing- Periode reisst oder eine Naht aufgeht? Zumindest in den Niederlanden, Deutschland und Belgien gibt es einen kostenlosen Reparatur-Service.

EINE NEUE WELT DER MODE
Eine Jeansmarke und ein Konzept, das auch Fabia Mosimann und Oli Gillmann überzeugt haben. Seit 2016 setzen sie in ihrer Boutique STOOR in der Berner Altstadt auf nachhaltige Mode, faire Arbeitsbedingungen und modische Individualität. Nachhaltigkeit verstehen sie nicht als Trend, sondern als ein Besinnen auf essentielle Werte, das Menschen, Ressourcen und Umwelt gleichermassen einschliesst. Auf drei Etagen vereint STOOR alles, worüber sich eine Garderobe gemeinhin freut: feines fürs Büro, Nonchalantes für die Freizeit und Elegantes für festliche Anlässe – und eben auch nachhaltige Jeans.

Wer hier seine alte Jeans an der Ladentheke vorbreibringt, bekommt eine Gutschrift auf die nächste MUD Jeans. Und nicht nur das: um den gebeutelten Lieblingsjeans der Kundschaft zu einem zweiten Frühling zu verhelfen, führt STOOR regelmässig Jeans Repair Days durch. So verlangsamt sich nicht nur der Stoffstrom, sondern es schliesst sich auch der Kreislauf der Mode. Die Möglichkeit, die eigene Jeans zu reparieren, ruft zum längeren Tragen auf. Die Rücknahme-Initiative schafft den Anreiz, Kleidungsstücke zurückzubringen. Dadurch kommt die Jeans wieder in den Kreislauf und lässt sich zu einer neuen Hose recyceln.


WWW.MUDJEANS.EU
WWW.STOOR.CH