Geschenk des Himmels fürs Stadtmarketing

von Joël Ch. Wuethrich

Die Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) und die Berner Stadtregierung haben im Oktober 2018 grünes Licht gegeben für das Rennen der Formel E-Elektroboliden in der Bundesstadt. Das wird der Stadt eine enorme Publicity bescheren. 

Es ist ein echter Glücksfall für Bern: Der Formel-E-Grand Prix (offiziell Swiss E-Prix) wird 2019 trotz des grossen Erfolgs nicht wieder in Zürich stattfinden. Wegen der Terminkollision mit dem «Züri-Fäscht» 2019 konnte der Stadtrat für eine weitere Austragung in Zürich keine Bewilligung mehr erteilen. Der Grund: Ein weiterer Grossanlass sei für die Bevölkerung eine zu grosse Belastung. Der Renntag sei zwar ein Erfolg gewesen, schrieb der Zürcher Stadtrat zu seinem Entscheid. Auf dem Gelände habe eine gute Stimmung geherrscht und das Medienecho sei riesig gewesen. Aber bei der Terminkollision müsse man dem «Züri-Fäscht» die Priorität einräumen, und so kommt Bern zum Handkuss.

Kein Aufwand zu klein für PR & Imagewerbung
Dementsprechend euphorisch reagierte man in Bern. So hat die Stadtregierung verkündet, man wolle sich einem «grossen Publikum als moderne und attraktive Stadt im Herzen Europas präsentieren». Der Swiss E-Prix, der entweder am 9. oder am 22. Juni 2019 – das genaue Datum ist noch nicht definitiv kommuniziert worden – in der Bundeshauptstadt durchgeführt wird, ist einer der grössten Einzelanlässe überhaupt in den letzten Jahren und somit eine internationale Strahlkraft entwickeln. Denn die Formel E ist im Aufwind. Viele Marken und Sponsoren schmücken sich mit ihrem Engagement für die Elektro-­Rennboliden, und es werden von ihnen und den jeweiligen Veranstaltern sowie von der Dachorganisation FIA bezüglich Public Relations und Imagewerbung keine Kosten und Aufwände gescheut. Auch sind in der Formel E hierzulande sehr prominente Fahrer am Start. So zum Beispiel der Schweizer Formel-E-Top-Fahrer Sébastien Buemi und der einstige Sauber-Formel-1-Pilot Nick Heidfeld. 

Die Crux mit der Streckenführung
Die erteilte Bewilligung ist an wesentliche Bedingungen geknüpft. Die Stadt Bern leiste beispielsweise keinen finanziellen Beitrag an das Rennen – der Veranstalter habe alle Kosten zu tragen. Eine grosse Herausforderung sei die Streckenführung. Die Aarehalbinsel scheint eine Alternative zur Innerstadt darzustellen. Gegenüber verschiedenen Medien wurden unter anderem das BERNEXPO-Gelände und das Wankdorf-Quartier rund um das Stade de Suisse vorgeschlagen. Die Veranstalter sind da jedoch nicht sonderlich erpicht darauf, dass sich die Streckenführung zu weit von der Stadtmitte befindet. Eine Herausforderung sind auch die zahlreichen Brücken, die bei einem Rundkurs durch die Innenstadt passiert werden müssten. Eine Alternative wäre die Lorrainebrücke aus der Stadt raus und via Kornhausbrücke wieder in die Stadt rein. Die Innenstadt solle nicht zu stark befahren werden, so die Vorstellungen der Stadtregierung – auch wenn das UNESCO-Weltkultur­erbe als Kulisse sehr attraktiv wäre. Weitere zu prüfende Faktoren wären: die Passierbarkeit der Brücken für die Formel-E-Boliden, das Gefälle oder die Steigungen auf Strassen, die nicht geeignet sind für den empfindlichen Unterboden der Rennautos. Was man jedoch schon weiss: Die Tramschienen sind kein Problem. «Die Gespräche mit der Stadt und der Verwaltung laufen», sagte der Medien­sprecher des Veranstalters «Swiss E-Prix Operations AG», Stephan Oehen, den Medien. Auch noch zu beachten sei eine für alle verträgliche Strecken­führung, welche den Alltagsverkehr und die Quartierbevölkerung nicht über Gebühr einschränke. Offen ist noch das Austragungsdatum. Gemäss Kalender auf der Website der Formula E ist Sonntag, 9. Juni 2019, als Renntag vorgesehen. 

Will Zürich den Swiss E-Prix 2020 wieder zurück?
Aber Achtung: 2020 könnte der Swiss E-Prix wieder in Zürich stattfinden. Zürich bemüht sich offenbar um die Austragung 2020. Die Quartiere um das Seebecken hält der Zürcher Stadtrat nach den Erfahrungen in diesem Jahr jedoch nicht mehr für geeignet. Es müsse ein anderer Standort für das Rennen gefunden werden. Für die Organisatoren sei dies kein Hindernis. «Zürich ist immer eine Option», stellte Stephan Oehen von Swiss E-Prix gegenüber den Medien klar. Man habe auch schon Ideen, wo sonst in Zürich ein Rennen mit internationaler Ausstrahlung statt­finden könne. Eine Arbeitsgruppe mit Fachleuten aus der Stadtverwaltung und dem Veranstalter prüfe nun mögliche Veranstaltungsorte und lege diese dann dem Stadtrat zum Entscheid vor, steht es in der Mitteilung weiter.

Bern wird aber alles daran setzen, 2019 die grösstmögliche Wertschöpfung aus diesem Event zu erzielen. Die höchste Wertschöpfung wird vor allem bei mehrtägigen Anlässen gebracht, so würde der Konsum in den Bereichen Shopping, Gastronomie, Hotellerie und Stadtbesichtigungen gefördert, sagte Martin Bachofner, CEO von Bern Welcome, im Interview mit dem «Geschäftsführer» im Sommer 2018. Mit den Qualifikationstagen und dem Renntag ist dies beim Swiss E-Prix der Fall.

Formel E und die Ökobilanz
Die Formel E war die erste Motorsport-Kategorie, die mit der ISO-20121-Zertifizierung – der höchsten Auszeichnung für nachhaltige Veranstaltungen – ausgezeichnet wurde. Nun hat die ABB FIA Formel E Meisterschaft im Rahmen des FIA Environmental Certification Framework drei Sterne erhalten. Die Auszeichnung würdigt das Engagement der FIA für die festgelegten umwelttechnischen und nach-haltige Ziele. Der Sinn der Nachhaltigkeit in der Formel E sei, die Ökobilanz und Umweltauswirkungen zu verringern, sagte Julia Palle, Senior Sustainability Consultant bei der Formel E. Gutachten befanden, dass die Formel E seit der ersten Saison 2014 / 15 ihre Umweltpraktiken umfassend weiterentwickelt und auch die internen Prozeduren, Verfahren und Überwachungen verbessert habe. Zu den wichtigsten Elementen für die FIA-Auszeichnung zählen das Engagement der Führungsetage, Kommunikation, Schulung und Leadership, jedoch auch, wie das Unternehmen gewisse Bereiche wie Transport, Energienutzung und Abfallhandhabung beeinflusst. Die ABB FIA Formel E Meisterschaft habe ein Umweltverwaltungssystem eingeführt, um seinen Betrieb laut bewährten Praktiken zu verbessern. Gleichzeitig unterstütze und fördere sie neue und sauberere Technologien, sagte der FIA Deputy President for Sport, Graham Stoker.

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