«Eine Frage der Proportionen»

Interview mit Dr. Raphael Wirth

Raphael-Wirth. Facharzt für Plastische, Rekonstruktive & Ästhetische Chirurgie FMH, Facharzt für Chirurgie FMH. Foto: Remo Zehnder

Um ihren Idealvorstellungen zu entsprechen, unterziehen sich heute immer mehr Menschen Schönheitsbehandlungen oder legen sich gar unters Messer. Schönheitsbehandlungen und –operationen sind heute kein Tabuthema mehr. Der Gang zum Ästhetischen Chirurgen fällt vielen Menschen leichter. Dr. med. Wirth über das Geschäft mit der Schönheit, über plastische Chirurgie und Patientenwünsche.

«Geschäftsführer»: Ein Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie wird oft nur als «Schönheitschirurg» wahrgenommen. Was entgegnen Sie dem?
Dr. med. Raphael Wirth: «Schönheitschirurg» ist kein geschützter Titel, jeder Arzt darf sich im Prinzip als Schönheitsmediziner bezeichnen. Ich bin zwar unter anderem für die Schönheitschirurgie zuständig, bezeichne mich aber nicht als Schönheitschirurgen. Denn der Facharzttitel für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie ist geschützt und vom Bund anerkannt; er besagt, dass ich die spezifischen Weiterbildungen besucht habe und die nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten besitze, die es für dieses breitgefächerte medizinische Teilgebiet braucht. 

Welche Menschen suchen den Plastischen Chirurgen auf?
Einerseits kommen Patienten zu mir, die dies nicht freiwillig tun – Tumor- oder Brustkrebspatientinnen und -patienten. Andererseits suchen mich Patientinnen und Patienten jeden Alters und aus allen gesellschaftlichen Schichten auf, die etwas an sich verändern möchten. Wie zum Beispiel jüngere Frauen, die ihre Brust zu gross oder zu klein finden, Jugendliche mit abstehenden Ohren oder junge Männer mit etwas Wohlstandsspeck. Ein grosser Teil meiner Kundschaft machen auch Frauen zwischen 30 und 50  aus. Sie investieren viel Zeit in ihren Körper und treiben eine Menge Sport, wünschen sich aber oft ihren früheren Körper mit straffem Po, Bauch und Busen zurück. Ab 50 Jahren kommen auch die Männer wieder; typische Eingriffe sind bei ihnen Lidplastiken (Schlupflider, Tränensäcke entfernen), Faltenbehandlungen oder ein Facelifting.

Was ist für Sie ein schöner Körper? Ein schönes Gesicht?
Für mich ist das eine Frage der Proportionen; es geht nicht darum, wie dick, dünn, gross oder alt jemand ist, sondern dass alles proportional zueinander passt. Schön sein bedeutet auch nicht faltenfrei, im Gegenteil. Die «glatt­gebügelten» faltenfreien Gesichter, die man auch häufig in Magazinen und Zeitschriften sieht, entsprechen nicht meinem Verständnis von Schönheit. 

Das Geschäft mit der Schönheit ist auch in der Schweiz ein Wachstumsmarkt. Im Jahr 2014 wurden 53’300 Schönheitsbehandlungen durchgeführt. Sind Patienten heute schneller bereit zu einer OP?
Diese Zahl hört sich sicher nach sehr viel an, ein Grossteil davon sind aber Injektionen mit Botox und Hyaluronsäure und anderen nicht invasiven Methoden zuzurechnen, die häufig wiederholt werden müssen. Entscheidend ist aber, dass heute Schönheitsbehandlungen und auch -operationen kein Tabuthema mehr sind und man auch vermehrt darüber spricht; die Hemmschwelle, einen Ästhetischen Chirurgen aufzusuchen, ist niedriger geworden. 

Wie sicher sind denn Schönheitsoperationen und -behandlungen?
In den allermeisten Fällen sehr sicher. Im Rahmen eines ästhetischen Eingriffes gehe ich kein übermässiges Risiko ein und wende auch
sichere, bewährte Verfahren an, die funktionieren. Auch sind die Patienten grundsätzlich gesund. Ist dies nicht der Fall, muss abgeklärt werden, ob ein Risiko für die / den Patientin / en besteht und sie / er Schaden erleiden könnte – falls dem so wäre, darf man die Operation nicht durchführen. 

Es ist Ihnen ein Anliegen, dass sich Ihre Patientinnen und Patienten genügend Zeit nehmen, die gefällte Entscheidung reifen zu lassen. Wie beraten Sie Ihre Patienten?
Neue Patienten, die eine ästhetische Behandlung wünschen, berate ich ausführlichst. Die Patienten schildern, was sie stört oder was sie ändern möchten. Dann wird das Problem beurteilt und es wird besprochen, welche Veränderungen möglich und sinnvoll sind und welche Kosten anfallen. Wichtig ist die vollumfängliche Aufklärung. In der Regel haben sich die Patienten ihre Entscheidung aber gründlich überlegt, bevor sie den ersten Termin beim plastischen Chirurgen vereinbaren. Es lassen sich aber nicht immer alle Wünsche erfüllen und immer wieder muss man von gewissen Eingriffen abraten bzw. Patienten ablehnen.

www.dr-wirth.ch

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