Das Konzept Wacker Thun: «Keine Kompromisse»

von Joël Ch. Wüthrich

Über sportliche Erfolge und eine ganz klare Positionierung mit dem Bekenntnis zum «Oberländer Herzblut» in der unmittelbaren Region hat sich der amtierende Handball-Schweizer-Meister Wacker Thun bei Fans und Bevölkerung einen hohen Beliebtheitsgrad erarbeitet. Aber geht da noch was?

Ja, den Stolz der Thunerinnen und Thuner über «ihren» Wacker Thun bekäme man schon zu spüren, sagt der Medien- und Kommunikationschef Marc Santschi. Und man könne auch auf ein stattliches, für Handballverhältnisse sehr stolzes Kernzielpublikum zählen. Santschi sagt auch, dass sowohl der Zuschauerschnitt von knapp 1’000 pro Heimspiel, die geschenkte Aufmerksamkeit in den Medien und in der Öffentlichkeit und auch die potenzielle erweiterte Kundschaft in der Grossregion Bern und Bern Oberland zufriedenstellend wären. Man sei auch besonders stolz, dass man in Thun in allen Belangen – sportlich wie auch im Bereich der Kundenbindung – eine Schweizer Handball-Hochburg hatte aufrichten können, und dies ohne Mäzenats-Support wie beispielsweise in Schaffhausen. «Aber die Wirtschaftsregion Thun gibt leider nicht sehr viel mehr her, als das, was wir schon an Zielpublikum und an Sponsoren und Gönnern haben», bilanziert Santschi. Das Überleben auf hohem Niveau im Schweizer Handball, der hierzulande im Gegensatz zu vor 20 bis 30 Jahren weniger als auch schon zu den «populären Mannschaftssportarten» zählt, sei nur möglich, indem man auf allen Ebenen das sogenannte Markenversprechen einhalte. Das bedeutet im Klartext: Der Slogan «Oberländer Herzblut» muss in jeder Situation glaubwürdig gelebt werden. Sei es beim Versprechen, den eigenen Nachwuchs an die Spitze zu führen wie auch beim Branding des Clubs mit Corporate Design (Logos, Signalfarben-Einsatz und so weiter), beim Verhaltensmuster (Corporate Behaviour) und generell beim Corporate Identity, also dem Erscheinungsbild, das ein Unternehmen im Rahmen seiner Aussendarstellung anstrebt und die Unternehmensidentität widerspiegeln soll.

Glaubwürdigkeit und Kundenbindung
In der Konsequenz liegt die Kraft, kann man das Konzept also zusammenfassen. Die Schwierigkeit bestehe darin, die Balance zwischen Konzepttreue und neuen Impulsen und Notwendigkeiten (zum Beispiel in der Mannschaftszusammenstellung) zu finden. Diese Konsequenz ist also der Schlüssel für Wacker Thun, um in Zukunft allenfalls das Kernzielpublikum zu halten und bestenfalls natürlich zu erweitern. Mit dem Meistertitel 2018 wurde erneut auf dem sportlichen Sektor einiges zur Identitätsstiftung in der Region Thun beigetragen. Sportliche Erfolge sind wichtig und auch die Glaubwürdigkeit des Kommunikationszieles «Wir haben Oberländer Herzblut» und dessen Umsetzung. Und dennoch offenbart der aktuelle sportliche Höhenflug mit der daraus folgenden Teilnahme an der Champions-League-Gruppenphase ein dickes Haar in der Suppe: Sowohl Wacker Thun wie auch das Stadtmarketing der Stadt Thun ärgern sich wohl «grün und blau» (oder eher «grün und weiss»), dass man die fünf Heimpartien (die erste am 20. September, die letzte am 29. November 2018) gegen sehr attraktive, international gute Gegner wegen der nicht international homologierten Sporthalle in Gümlingen spielen muss.

Ärgerlich: Champions League – Heimspiele in Gümlingen „auswärts“
«Das ist einer der Nachteile unseres Konzepts, bei welchem wir als Spitzenclub in einer kleinen Wirtschaftsregion ohne Mäzenat auskommen wollen. Gerne hätten wir eine schöne Sporthalle wie beispielsweise die Kadetten Schaffhausen und würden diese grossen Events in Thun durchführen wollen», sagt Marc Santschi. Kein Wunder, weiss man doch aus einer Studie, wie gross die Wertschöpfungskette sein kann bei Events in Thun und Umgebung. Hinter den Kulissen wird jedoch schon einige Jahre daran gearbeitet, um eine neue, den internationalen Ansprüchen für Sportereignisse genehme Sporthalle zu bauen. Dass die Platzverhältnisse in der Lachenhalle eng und die Bedürfnisse für eine neue Halle vorhanden sind, ist schon länger klar. Platz haben beim zuschauerstärksten Club der Liga maximal 2’000 Fans. In den letzten Jahren ermöglichte die Stadt unter anderem ein Eventpodest für die Betreuung von Sponsoren und verschob das Spielfeld um 1,5 Meter, um eine Minigegentribüne zu ermöglichen. Im Aufgaben- und Finanzplan der Stadt sind Beträge für eine neue Dreifachsporthalle enthalten: In den Jahren 2018 und 2019 sind es je 50’000 Franken für die Planung, in den Jahren 2021 und 2022 je 7,5 Millionen für die Realisierung. Man prüfe auch, ob es weitere Vereine mit dem Bedürfnis nach einer neuen Halle gibt. Nebst Wacker kontaktierte die Stadt nämlich auch den Damenhandballclub Rotweiss und den Unihockey-Club Thun. Noch sei nicht in Stein gemeisselt, dass die Stadt als Bauherrin und Eigentümerin auftritt, denn es sei nicht einfach «nur» ein städtisches Projekt.

FCT und Wacker: «Cohabitation à la Thun»
Eine weitere «pièce de résistance» ist die Tatsache, dass im Grossraum Thun nicht so viele bedeutende private Unternehmen ihren Sitz haben und so die Suche für solvente Sponsoren und Partner überschaubar bleibt. Dennoch, so Marc Santschi: «Wir freuen uns, dass wir auch hier wieder eine starke Kundenbindung erzeugen konnten und wir auf die Partner zählen können. Sie honorieren unser Konzept.» Auch, so Santschi, sei es von Vorteil, dass man die Konkurrenz zum FC Thun sowohl bei den potenziellen Fans wie auch Unterstützern und Partnern nicht so stark spüre, da die Anspruchsgruppen unterschiedlich seien.

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