Berner Zitterpartie und mehr Lust auf Themen

von Charles Staubach und diversen Quellen

Die Bevölkerung im Kanton Bern ist im Vergleich zu den meisten anderen Kantonen weniger stark gewachsen. Deshalb ist bei den Wahlen 2019 ein Sitz weniger zu vergeben. trotzdem kandidieren immer mehr Bernerinnen und Berner für Den Nationalrat. 2019 sind es deren 651. Das sind 84 Personen mehr als noch vor vier Jahren.

Die Bevölkerung im Kanton Bern ist zwar in den letzten Jahren gewachsen, jedoch nicht so stark wie in anderen Kantonen. Dies beeinflusst die Sitzverteilung im Nationalrat: Der Kanton Bern verliert erneut wieder einen Sitz, wie bereits 2011 und 2015. Am 20. Oktober sind damit noch 24 Nationalratssitze für den Kanton Bern zu vergeben.

Die Chancen für eine erfolgreiche Kandidatur stehen bei den Protagonistinnen und Protagonisten im Vergleich zu 2011 und 2015 weniger gut. Auffallend ist: Im Kanton Bern kandidieren immer mehr Frauen. Waren es 2015 noch 212 Kandidatinnen (37,4 Prozent), sind es in diesem Jahr 274 (42.1 Prozent). Am stärksten ist bei den Kandidatinnen und Kandidaten die Altersgruppe zwischen 21 und 30 vertreten. Das Durchschnittsalter liegt bei 39 Jahren.

Die spannendste aller fragen: Wer verliert einen Sitz?
Die grosse Frage, auf die alle Interessierten und Branchenkenner in Bern gespannt sind, heisst: Welche Partei wird einen Sitz verlieren und Federn lassen müssen? Manche tippen auf die SVP, die zwar 2015 ihren Wähleranteil um vier Prozent auf 33 Prozent steigerte. Dennoch beschreibt man deren aktuelle Ausgangslage dahingehend, dass das Potenzial ausgeschöpft sei. Immerhin: Die Volkspartei wurde zuletzt bezüglich Wähleranteile wieder fast so stark wie vor der Abspaltung der BDP. Aber einige Hinweise lassen aufhorchen: Bei den kantonalen Wahlen, die als Gradmesser dienen, büsste die SVP 2018 ein. Hinzu kommt, dass die Partei die aktuell stark fokussierten Umweltthemen und die Frauenförderung in den letzten Jahren tendenziell nicht sehr proaktiv behandelte. Und den neunten Sitz erzielte die Partei vor vier Jahren nur knapp. Oder trifft es die SP? Trotz erfreulicher Resultate bei den kantonalen Wahlen? Die SP erhielt 2015 einen sogenannten Wackelsitz. Man spekuliert, dass sie einen ihrer sechs Sitze abgeben muss.

Spannend wird es auch für die BDP. Das Gründungsmitglied Hans Grunder tritt nach zwölf Jahren im Parlament nicht mehr an. Nun soll es die bernische Regierungsrätin Beatrice Simon richten, die auch für den Ständerat kandidiert. Die charismatische Beatrice Simon ist ein echtes Zugpferd für die Partei. Bei den letzten Berner Regierungsratswahlen realisierte sie jeweils Spitzenresultate. FDP, Grüne und GLP haben je zwei Sitze und möchten alle einen dazugewinnen. Die EVP möchte indes ihren Sitz halten.

Unter den Kandidierenden finden sich – nebst Beatrice Simon – weitere bekannte Namen wie etwa der Stadtberner Gemeinderat Reto Nause (CVP), Ex-Telebärn-Moderatorin Michelle Renaud (BDP) oder Dimitry Rougy (SP), der «Frontmann» beim Referendum gegen die Sozialdetektive. Auch der «Vater» der Hornkuhinitiative, Armin Capaul aus dem Berner Jura, stellt sich auf. Er tut dies auf einer eigenen Liste. Adrian Amstutz (SVP), Hans Grunder (BDP) und Margret Kiener Nellen (SP) treten nicht mehr zur Wiederwahl an.

favoritin fürs «stöckli» Die bernische Finanzdirektorin Beatrice Simon geht als Favoritin ins Rennen um den freiwerdenden Berner Ständeratssitz. Das Aushängeschild der kantonalen BDP ist bei den Wählerinnen und Wählern beliebt. Simon erzielte bei den kantonalen Wahlen 2014 und 2018 das beste Resultat. Mit Beatrice Simon ist für die BDP das Risiko klein, ihren schweizweit einzigen Ständeratssitz zu verlieren, der bisher von Werner Luginbühl belegt wurde. Diese 15 Bernerinnen und Berner wollen in den Ständerat: Jorgo Ananiadis, Piraten; Kathrin Bertschy, GLP, Peter Eberhart, Die Unabhängigen DU; Pascal Fouquet, Piraten; Florian Gerber, Partei National Orientierter Schweizer PNOS; Joe Grin, Die Modernokraten, Philipp Jutzi, JUP, Verena Lobsiger-Schmid, Partei der unbegrenzten Möglichkeiten PUM; Christa Markwalder, FDP; Yannic Nuoffer, Partei National Orientierter Schweizer PNOS; Regula Rytz, Grüne; Werner Salzmann, SVP; Beatrice Simon, BDP; Hans Stöckli, SP (bisher); Marianne Streiff, EVP.

WahlJahr 2019 ist wieder «Themenlastiger»
Interessant ist, was das Berner Forschungsinstitut gfs.bern herausgefunden hat: Hätten die Stimmberechtigten aus der Deutschschweiz und Romandie Mitte September den Nationalrat neu gewählt, hätten die FDP, die Grünen und die GLP leicht zulegen können. SVP und CVP hätten leicht verloren und die SP hätte sich auf dem Niveau 2015 halten können. Das zeigte die vom Forschungsinstitut durchgeführte Ringier-Online-Umfrage unter rund 27’000 Stimmberechtigten in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz. Die Schweizer Stimmberechtigten sehen aktuell bei vier politischen Themen eine hohe Dringlichkeit mit Blick auf die Wahlen. Gesundheitspolitik, Altersvorsorge, Migration und Klimawandel/Umweltschutz werden von über 40 Prozent aller Teilnahmewilligen als sehr dringlich zu lösende Probleme eingestuft. Nicht alle als dringlich eingestuften politischen Themen sind hingegen für die Wahlabsicht gleich wichtig, heisst es vonseiten der gfs.bern. Am meisten beobachten Schweizer Wählerinnen und Wähler die Parteien aufgrund ihrer Positionen bei Migration, Gesundheitspolitik und ökologischen Themen. An zweiter Stelle stehen Positionen in Sachen Altersvorsorge und Europa, während alle anderen Themen nur am Rande als hauptsächliche Entscheidungsgrundlage genannt werden. Je nachdem mit welchem Gewicht diese Themen im Wahljahr 2019 diskutiert werden, können sich zwischen den sechs grössten Parteien spürbare Verschiebungen ergeben. Von der aktuellen Themenlage profitieren sichtbar die FDP, die Grünen sowie die GLP, während die SVP und die CVP aktuell eher im Nachteil sind.

www.parlament.ch/de

 

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